Herzlich willkommen in der Praxis für Ergotherapie Anne Gräbner in Würzburg
Herzlich willkommen in der Praxis für Ergotherapie Anne Gräbner in Würzburg 

Informationen zum Thema Linkshändigkeit

 

 

Händigkeit wird definiert als Manifestation des bevorzugten Gebrauchs der dominanten Hand und ist Ausdruck der motorischen Dominanz der contralateralen Hemisphäre (vor allem der funktionalen Aktivierung des contralateralen primär-motorischen Kortex). Händigkeit wird wahrscheinlich multifaktoriell vererbt und die Handdominanz steht schon bei der Geburt fest.


Neueste wissenschaftliche Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass es wesentlich mehr Linkshänder gibt, als bisher angenommen, wobei die Dunkelziffer der umgeschulten Linkshänder wohl immer noch hoch ist. Vereinzelt sind auch umgeschulte Rechtshänder möglich, vor Allem, wenn ältere Geschwisterkinder linkshändig sind.


Mit 10 – 20 Lebensmonaten manifestiert sich die Händigkeit bei einem Großteil der Kinder schon deutlich, sichtbar v. a. beim Greifen, Essen, Spielen und Halten von Gegenständen. Wünschenswert bei der U6 wäre eine Eintragung in das Vorsorgeheft wie z. B.

  • vornehmlich rechtshändiges Hantieren
  • vornehmlich linkshändiges Hantieren
  • wechselnder, noch uneindeutiger Handgebrauch


Eltern von linkshändigen Kindern sollte erklärt werden, dass Linkshändigkeit normal ist und die Kinder in ihrer Händigkeit gefördert werden sollen. Vor Umschulungsversuchen muss gewarnt werden. Außerdem sollte auf sinnvolle Gebrauchsgegenstände für Linkshänder hingewiesen werden, die Eltern ihren Kindern dann zur Verfügung stellen sollten. Kinder mit wechselndem Handgebrauch dürfen in ihrem Handgebrauch nicht beeinflusst werden und Gegenstände sollten ihnen immer mittig angeboten werden.


Mit 4 – 5,5 Lebensjahren hat sich der Gebrauch der rechten oder linken Hand bei den meisten Kindern stabilisiert, sichtbar wie oben oder beim komplizierteren Hantieren, beim Gebrauch von Werkzeugen und Stiften und bei anspruchsvolleren feinmotorischen Tätigkeiten.  Wünschenswert bei der U8 wären Eintragungen in das Vorsorgeheft, wie z. B.

  • vornehmlich rechtshändiges Hantieren
  • vornehmlich linkshändiges Hantieren
  • wechselnder, noch uneindeutiger Handgebrauch


Bei eindeutiger Händigkeit sollte Eltern und Kindern frühzeitig eine lockere Schreibhaltung mit  schreibvorbereitenden Übungen gezeigt werden, da sich falsche Handlungsabläufe wie das Schreiben schnell automatisieren und zu Fehlhaltungen führen können. Bis zum Beginn der Einschulung sollte die Händigkeit festgelegt sein. Kinder, die in diesem Alter noch keine eindeutige Handdominanz zeigen, die angeblich „Beidhänder“ sind, sind häufig eindeutig umgeschulte Linkshänder oder Kinder mit perinatalen zerebralen Schädigungen der dominanten Hemisphäre und daraus resultierenden Teilleistungsstörungen.
Bei noch wechselnder Händigkeit in diesem Alter sollte dringend eine ausführliche, seriöse, professionelle Händigkeitsuntersuchung (kein Kurztest) durch zertifizierte Linkshänder-BeraterInnen nach Methodik Dr. Johanna Barbara Sattler durchgeführt werden.
 

 

Aufgaben zertifizierter Linkshänder-BeraterInnen nach Methodik Dr. Sattler

  • Beobachtung von Tätigkeiten/Händigkeitsuntersuchungen unter Berücksichtigung des allgemeinen Entwicklungsstandes des Kindes
  • Verletzungen, Krankheiten und Störungen oder Behinderungen des Kindes
  • Händigkeit in der Familie
  • Mögliche Irritation der Händigkeitsentwicklung durch die Umwelt
    (Familie, Bekannte, Kindergarten, Freunde, kulturelle Einflüsse)
  • Einfluss von Nachahmungs- und Anpassungsverhalten linkshändiger Kinder an eine rechtshandorientierte Umwelt
  • Händigkeitsberatung und Elternarbeit, z. B. Beratung über Schreibhaltung und nützliche Gebrauchsgegenstände


Therapieangebote bei unklarer Händigkeit

  • Heilmittel: EN1 (Indikationskatalog Ambulante Ergotherapie)
  • Sensomotorisch/perzeptive Behandlung bei angeborenen oder früherworbenen Hirnschädigungen und Entwicklungsstörungen:
    Wahrnehmungsfördernde Behandlungsmethoden, z. B. nach Frostig, Affolter, Sensorische Integrationstherapie nach Ayres
  • Funktionelle, handwerkliche, spielerische, gestalterische Behandlungstechniken
  • Graphomotorisches Training
  • Selbsthilfetraining
  • Anpassung und Training mit technischen Hilfen
  • Vorschulisches / vorberufliches Training


Rückschulung bei eindeutig umgeschulter Händigkeit
Rückschulung bei Kindern bis maximal zum 10. Lebensjahr. Mit Beginn der Pupertät finden so umfangreiche Veränderungen statt, dass eine Rückschulung nicht stattfinden sollte.


Rückschulungen von Erwachsenen sind möglich und bei großem Leidensdruck auch sinnvoll, sollten aber nicht unter Erfolgsdruck stattfinden.


Öffentlichkeitsarbeit
Z. B. Informations- und Fortbildungsveranstaltungen für ErzieherInnen und GrundschullehrerInnen

Schreiblernkurse für linkshändige Kinder


Das wichtigste Ziel der Arbeit der Linkshänder-BeraterInnen ist das Verhindern von Umschulungen linkshändiger (in Einzelfällen auch rechtshändigen) Kindern auf ihre nicht dominante Hand, um mögliche funktionale, nicht vollständig wieder rückgängig zumachende Hirnschädigungen zu vermeiden!


Primäre Umschulungsfolgen können sein:

  • Gestörte intellektuelle Leistungen bei normaler Intelligenz (z. B. beim Formulieren und Ausdrücken von Gedanken oder beim Abrufen von Lerninhalten in Schrift und Sprache)
  • Gedächtnisstörungen (Aufnahme, Speichern, Wiedergabe)
  • Konzentrationsstörungen (schnelle Ermüdbarkeit)
  • Legasthenische Probleme (Lese-Rechtschreibstörungen)
  • Raum-Lage-Labilität (Rechts-Links-Unsicherheit)
  • Feinmotorische Störungen (sichtbar im Schriftbild und bei Präzisionstätigkeiten)
  • Sprachstörungen in den entsprechenden Arealen (Stammeln, Stottern)


Mögliche daraus entstehende sekundäre Umschulungsfolgen können sein:
Minderwertigkeitskomplexe, Unsicherheit, Zurückgezogenheit, Überkompensation (durch ständig erhöhten Leistungseinsatz), Trotzhaltung/Widerspruchsgeist (Imponier-/Provokationsgehabe), Verhaltensstörungen, Bettnässen, Nägelkauen, Emotionale Probleme bis ins Erwachsenenalter mit neurotischen und/oder
psychosomatischen Störungen, Störungen im Persönlichkeitsbild.


Die beschriebenen Umschulungsfolgen können selbstverständlich auch bei nicht umgeschulter Händigkeit auftreten und durch verschiedene cerebrale Funktionsstörungen hervorgerufen werden.

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© Ergotherapie Praxis Annemarie Gräbner